Johannes BieglBio

Ehrlich gesagt wäre aus mir fast kein Schlagzeuger geworden. Angefangen hab ich mit acht, aber die ersten Jahre nie richtig geübt — mit zwölf hab ich sogar ein Jahr ganz aufgehört. Den Ausschlag gab am Ende eine Band: Mit dreizehn haben mich Schulfreunde gefragt, ob ich mitmache, und auf einmal hatte ich auf nichts so viel Lust wie aufs Zusammenspielen. Das war der Moment, in dem aus dem Instrument Musik wurde.

Was mich bis heute reizt, ist, das Schlagzeug so zu spielen, dass es genau zum Song passt. Mir geht es nicht darum, möglichst viel unterzubringen oder mich in den Vordergrund zu spielen — sondern darum, dass der Song rollt, dass die wichtigen Akzente sitzen und dass ich da, wo weniger besser ist, auch weniger spiele. Ob Pop, Rock, RnB, HipHop oder Afrobeats, ob akustisch am Kit oder im hybriden Setup mit Pads und Ableton: Was ich spiele, gibt der Song vor.

Aus der Bandlust wurde mit der Zeit ein Beruf. Nach drei Jahren Ausbildung an der Berufsfachschule für Musik in Nürnberg — bei meinem Mentor Christoph Huber — bin ich nach Köln gezogen, und von dort aus hat mich die Arbeit ziemlich weit herumgebracht: in die USA, nach Kanada, Australien, Saudi-Arabien, Armenien, Aserbaidschan, Mexiko, in die Emirate und quer durch Europa. Was dabei hängenbleibt, ist weniger der eine perfekte Abend als die Bandbreite der Bühnen: mit Shadmehr Aghili die MGM Grand Arena in Las Vegas — bisher meine größte — und eine Konzerthalle mitten in der saudischen Wüste, mit Aryana Sayeed eine Casino-Bühne in Toronto, mit Kasimir1441 das Frauenfeld Open Air.

Über die Jahre kam einiges zusammen: Auftritte mit Sogand, Navid Zardi, Olli Banjo, Kayef, Anna Grey, Bahar, Kuult, Timey und Bell, Book & Candle, dazu TV-Produktionen mit Andreas Gabalier, Álvaro Soler und Bebe Rexha, eine Zeit als Schlagzeuger auf Kreuzfahrtschiffen und unzählige Coverband-Auftritte quer durch die Stile. Vieles davon waren Springer-Einsätze — eingesprungen, wenn kurzfristig jemand ausgefallen ist.

Und genau da bin ich gerade: Die Abwechslung mag ich nach wie vor, aber nach den vielen kurzfristigen Einsätzen hätte ich langsam Lust, einen Künstler auch mal längerfristig zu begleiten — jemanden, mit dem man eine Live-Show über die Zeit wirklich aufbaut, statt immer nur einzuspringen.

Johannes Biegl live am Schlagzeug auf der Anna-Grey-Tour
Live auf Tour mit Anna Grey
Endorsements
  • Pearl Drums
  • Sabian
  • Vision Ears
  • Daddy Paul
  • Porter & Davies
  • Musikwein
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